Theodor W. Adorno “Erziehung nach Auschwitz”

Primo Levi ein Auschwitz- Überlebender sagte:

»Es ist geschehen, also kann es wieder geschehen. Das ist der Kern dessen, was wir zu sagen haben.”

Vor 63 Jahren wurde das “dritte Reich” von sowjetischen, amerikanischen, englischen und französischen Truppen zerschlagen.

Zwischen 1933 und 1945 wurde jegliche Art von Menschlichkeit in Deutschland negiert, es wurde gefoltert, gemordet, denunziert und marschiert! Auf die grauenvollen Taten und Folgen, getragen vom Großteil der deutschen Bevölkerung, möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen.

Was sollte aber Erziehung in Deutschland nach1945 leisten? Theodor W. Adorno forderte im Text ” Erziehung nach Auschwitz:

“Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, daß ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.”

weiter schrieb er:

“Sie zu begründen hätte etwas ungeheuerliches angesichts des Ungeheuerlichen, das sich zutrug. Das man aber die Forderung, und was sie an Fragen aufwirft, so wenig sich bewusst macht, zeigt, dass das Ungeheuerliche nicht in die Menschen eingedrungen ist, Symptom dessen, dass die Möglichkeit der Wiederholung, was den Bewusstseins- und Unbewusstseinsstand der Menschen anlangt, fortbesteht.

Eine Erziehung nach Auschwitz sollte nach Adorno schon in der frühen Kindheit beginnen. Der konzeptionellen Umsetzung nahm sich Prof. Dr. Ido Abram an.

Er entwickelte ein 3 Punkt Programm für Kinder zwischen 3 bis 10 Jahren. Im Gegensatz zum 5 Punkte Programm für Jugendliche wird darauf verzichtet Details extremer Grausamkeiten zu schildern. Dadurch wird eine Überforderung und Verstörtheit bei Kindern vermieden.

Das Drei-Punkte Programm umfasst:

- Erziehung nach Auschwitz bedeutet, Empatie ( die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen) und Wärme (eine Atmosphäre von Geborgenheit, Sicherheit und Offenheit) zu fördern.

- Erziehung nach Auschwitz bedeutet Autonomie zu fördern, das heißt, die Fähigkeit zum Nachdenken, zur Selbstbestimmung, zum Nonkonformismus.

- Erziehung nach Auschwitz bedeutet, die Empatie mit Tätern, Opfern und Zuschauern zu fördern. Keinem Kind ist eine dieser Rollen wirklich fremd!

Im Mittelpunkt des Programmes stehen Autonomie, Wärme und Empatie.

Dieses letztendlich umzusetzen obliegt Eltern, Lehrer, Pädagogen und muss oberste Prämisse aller Erziehung sein.Wenn dieses nicht kontinuierlich geschieht hat unsere Zivilgesellschaft versagt und ein Rückfall in die “Barbarei”ist jederzeit möglich!

Ein Beispiel was eine “Erziehung nach Auschwitz” auch beinhalten kann ist die Aktion der

Landestelle Brandenburg für Demokratische Jugendbeteiligung. Im Rahmen einer Gedenkstättenfahrt fahren Jugendliche (24.05.08-30.05.08) nach Auschwitz. Durchgeführt und begleitet wir die Fahrt von RAA Brandenburg und der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg.

Ps: Was von der NPD versucht wird um Kinder und Jugendliche ideologisch zu prägen erfahren sie hier

2 Reaktionen zu “Theodor W. Adorno “Erziehung nach Auschwitz””
  1. Katrin

    Vielen Dank für ihren Beitrag!
    Leider ist es immer wieder wichtig darauf einzugehen. Meiner Auffassung nach findet eine “Erziehung nach Auschwitz” an deutschen Schulen nur unzulänglich statt.
    Es sollte selbstverständlich sein den Kindern von klein auf gegenüber den deutschen Verbrechen gegen die Menschheit zu sensibilisieren.
    Sehr gut ihr Hinweis, dass dieses altersgerecht erfolgen muss um die Kinder nicht zu überfordern!

    Wenn dieses nicht ausreichend geschieht kann es jederzeit wieder geschehen. Darin stimme ich P.Levi zu.

  2. Daniel

    Selbst die aktuelle Ausgabe der “Zeit” nimmt sich des Rechtsradikalismus als Titelthema an.

    Zwischen 1990 und 2005 wurden in Deutschland ca. 136 Menschen erschlagen, verbrannt und zu Tode gehetzt.

    Warum?
    Sie hatten die falsche Hautfarbe oder die falsche Meinung. Den Punkt ” Wehret den Anfängen” hat unsere Gesellschaft, fatalerweise, längst überschritten! Auf kommunaler Ebene gewinnt u.a. die NPD mehr und mehr an Einfluss. Durch sozialpolitischen Einsatz gelingt es Ihnen immer häufiger ganze Kommunen zu infiltrieren! Man ist gegen Schließungen von Kindergärten, Schwimmbädern u.s.w., veranstaltet Volksfeste und die Strasse wird mittlerweile von den stylichen “nationalen” Autonomen geprägt!

Einen Kommentar schreiben