Archiv der Kategorie ‘Interviews mit Experten rund um die Pädagogik‘

Lese-Drehscheibe: Lesen, Literatur und Leseförderung

Dienstag, den 28. Oktober 2008

Seit 15. September 2007 erscheint regelmäßig jeden Monat die Lese-Drehscheibe. Die Lese-Drehscheibe ist ein Online-Magazin, das Tipps rund ums Lesen und Vorlesen, Rätsel für Kinder, Spiel- und Bastelanleitungen rund um Bücher, Vorlese- und Lesegeschichten und vieles mehr beinhaltet. Die Geschäftsführerin des Papierfresserchens MTM-Verlag Martina Meier beantwortete uns einige Fragen zum Onlinemagazin.

Wer sind die Herausgeber der Lese-Drehscheibe?
Herausgeberinnen der Lese-Drehscheibe sind die Kinderbuchautorin Heike Schütz und die Literaturwissenschaftlerin Martina Meier. Wir beide engagieren uns seit Jahren im Bereich Leseförderung.

Seit wann gibt es das Onlinemagazin „Lesedrehscheibe“?

Die erste Ausgabe des Magazins erschien im September 2007, also vor einem Jahr.

Was für eine Intention verfolgen Sie mit dem Onlinemagazin?
Wir möchten all diejenigen mit unserem Angebot erreichen, die ihre Kinder gezielt fördern und ihnen vermitteln möchten, wie viel Spaß das Lesen überhaupt machen kann. Kinder zum Lesen motivieren, Eltern, Lehrern und Erziehern Tipps zur praktischen Leseförderung geben, aber auch jungen Autoren die Möglichkeit der Veröffentlichung ihrer Gedichte und Kurzgeschichten bieten, das sind unsere Hauptanliegen.

Wer ist die Zielgruppe?
Eltern, Erzieher, Lehrer, Kinder, Buchhändler und Bibliothekare sowie all jene, die sich für die Themen Lesen und Leseförderung einsetzen.

Was für Themen stehen im Mittelpunkt?
Tipps von Bildungsexperten, aber auch viele praktische Anleitungen für gezielte Förderung, kurze Lese- und/oder Vorlesegeschichten für Kinder, Rätsel, Tipps für Bastelarbeiten oder Spiele, die mit wenigen Mitteln und geringem Aufwand im Kindergarten, in der Schule oder zu Hause umgesetzt werden können, den Mädchen und Jungen aber richtig viel Spaß machen. Allen Themen, die wir aufgreifen, stehen in Zusammenhang mit Lesen, Leseförderung und Literatur für junge Menschen.

Wie wird das Magazin angenommen?
Sehr gut. Wir haben heute sogar bereits Abonnenten im Ausland, beispielsweise in Südamerika, Italien, England oder Singapur. Aber in erster Linie finden sich unsere Leser natürlich im deutschsprachigen Europa. Wir liegen beispielsweise in zahlreichen Bibliotheken in ganz Deutschland aus. Außerdem sind wir seit kurzer Zeit Kooperationspartner der großen Bücherspendenaktion vom VdK Hessen-Thüringen und der BilligBuch.de GmbH, die unter dem Motto steht „Mehr Bildung für unsere Kinder“. Zudem bekommen wir immer wieder sehr positive Reaktionen von Lesern. So hat uns beispielsweise eine Leserin geschrieben, die sich selbst um das Thema „Lesen“ in Schulen sehr bemüht, dass unsere Tipps tatsächlich nicht am „grünen Tisch“ entstanden seien, sondern man erkennen würde, dass sie wirklich praxiserprobt sind. Und das sei halt nicht bei allen Zeitschriften so. Über dieses Lob haben wir uns natürlich sehr gefreut.

Wie oft erscheint das Magazin?
Die Lese-Drehscheibe erscheint einmal monatlich, und zwar jeweils zum 15., in Papierfresserchens MTM-Verlag.

Interview mit Christian Füller – “Schlaue Kinder, schlechte Schulen”

Sonntag, den 17. August 2008

Christian Füller Bildungsjournalist, u.a. Redakteur bei der Tageszeitung (taz), beschäftigt sich in seinem Buch “Schlaue Kinder, schlechte Schulen” mit der Situation des deutschen Schulsystems. Er war so freundlich uns einige Fragen zum Buch und zur deutschen Bildungslandschaft zu beantworten.

Was ist das Hauptanliegen ihres Buches?

Ich wollte zeigen, dass in der deutschen Schule immer noch der Wurm drin ist – trotz der leichten Verbesserungen, die in der bislang letzten Pisastudie von 2006 zum Vorschein kamen. Der Politik gelingt es kaum, die Schule und das Lernen zielgerichtet zu verbessern. Gleichzeitig sieht man, dass sich von unten bereits ganz viel tut: Es gibt exzellente Schulen, die beim Lernen völlig neue Wege gehen.

Wo sehen Sie das Hauptproblem im bundesdeutschen Schulsystem?

Es produziert systematisch Bildungsarmut. Schule betreibt Auslese, anstatt jeden Schüler durchgehend zu fördern. Und wir sehen obendrein ein chaotisches System. Es herrscht so etwas wie organisierte Verantwortungslosigkeit. Ob ein Kind einen Kita- oder Schulplatz bekommt, wann ein Vertretungslehrer in der Klasse auftaucht, ob ein Kind etwas zum Mittag bekommt, das alles hängt von einer unerforschlichen Bürokratie ab. Eltern können ein Lied davon singen.

Was sollten erste bildungspolitische Schritte sein, um unser Schulsystem zu reformieren?

Wir müssen dem Prinzip Verantwortung in der Schule wieder zu Geltung verhelfen. Jedes einzelne Kind hat es verdient, in seinen Talenten optimal gefördert zu werden. Dazu brauchen wir eine andere Art des Lernens, neue Lehrer und viel viel Geld. Damit das Prinzip Verantwortung wieder wirksam werden kann, müssen die verworrenen Zuständigkeiten einfacher werden – beginnend oben mit der Konferenz der Kultusminister, die radikal entmachtet werden muss.

Wie kann man ihrer Meinung nach die unterschiedlichen Leistungsniveaus bei Schulanfängern ausgleichen?

Wir müssen diese Niveaus nicht ausgleichen, sondern einfach jedes Kind optimal voranbringen. Bislang vergrößert das Schulsystem zielgerichtet die Abstände zwischen den langsameren und den schnelleren Schülern – durch einen staatlich gewollten Ausleseprozess. Damit muss Schluss sein. Es gibt heute eine Vielzahl von Lernformen, die auf die Individualität und die Selbständigkeit des Lerners setzen. Diese Formen müssen an die Stelle der immer noch vorherrschenden Frontbeladung treten. Dazu muss man allerdings den Unterricht völlig anders organisieren, als es bisher geschieht. Das neue Lernen ist kein Selbstläufer.

Kinder werden durch Schulnoten entweder ermutigt oder gedemütigt. Sollte man Schulnoten abschaffen bzw. was sehen Sie für Alternativen?

Schulnoten sind eine eindimensionale und oft völlig verzerrte Art des Bewertens. Man sollte so lange wie möglich darauf verzichten. An die Stelle können verschiedenen Formen von verbalen Beurteilungen treten – in Entwicklungsgesprächen und auch am Ende des Schuljahres. In solchen Beurteilungen lässt sich ein Schüler viel treffender, differenzierter einschätzen als durch eine Note – und vor allem: viel positiver. Das individuelle Potenzial und die Entwicklung eines Schülers kommen in Verbalzeugnissen viel besser zur Geltung.

Was halten Sie vom Ansatz Schulleistungen von Kindern nicht nur im Vergleich zu den Mitschülern zu messen sondern auch die persönlichen Lernfortschritte des einzelnen Kindes in die Benotung einfließen zu lassen?

Das ist ganz wichtig. Wobei es nicht auf die Benotung ankommt, sondern darauf, die Chancen und Talente des einzelnen herauszuarbeiten. Die Verbesserung eines Schüler wird durch eine Note völlig unzureichend dargestellt. Kommt er von der fünf zur vier, runzelt der Betrachter die Stirn, weil die Versetzung weiter gefährdet ist. Zeigt man ohne die Note, welch´ enorme persönliche Fortschritte jemand gemacht hat, dann ist das ermutigend. Weil man etwa zeigen kann, wie der Schüler die Art verändert, an einen Gegenstand oder ein Projekt heranzugehen. Weil die Courage und die Offenheit, die jemand vielleicht erst nach und nach gewinnt, so überhaupt erst sichtbar wird.

Mein Eindruck ist es herrscht eine Art bildungspolitischer Aktionismus, der erziehungswissenschaftliche Erkenntnisse weitgehend ignoriert. Können sie aus ihrer journalistischen Sicht beurteilen ob es seitens der Politik ein glaubhaftes Interesse gibt eine schulische Chancen- und Bildungsgleichheit für Kinder und Jugendliche herzustellen?

Es gibt reichlich politische Bekenntnisse, die Bildungschancen aller Kinder zu verbessern – unabhängig von ihrer Herkunft. Und ich möchte dem einzelnen Kultusminister auch nicht absprechen, dass er sich das wünscht. Allerdings gibt es bislang nur in einzelnen Bundesländern wirklich systematische Weichenstellungen, die in die richtige Richtung zeigen. Seit der ersten Pisastudie wurde unglaublich viel Zeit vergeudet – am meisten in der Lehrerbildung. In den sieben Jahren seit des ersten Pisadesasters hat sich da ein Grad an Verantwortungslosigkeit bei den Kultusministern und ihrer ständigen Konferenz gezeigt, der beschämend ist. Die jüngeren Vergangenheit hat gezeigt: Die Eltern und die einzelne Schulen müssen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

Linktipp: Artikel von Christian Füller auf Spiegel online: “Scheitern und Schule sind Zwillinge”

Leistungsstress bei Kindern und Jugendlichen

Freitag, den 6. Juni 2008

Der Psychologe Fabian Groilmund ist tätig an der Universität Fribourg in der Schweiz. Er leitet die Fachstelle für Eltern-, Lehrer und Schülerberatung. Im Rahmen eines Interviews stand er uns Rede und Antwort zu seinem Buch ” effektiv denken-effektiv lernen”, Ursachen für Leistungsstress und zum aktuell stattfindenden “Training gegen Leistungsstress” . Dieses wird momentan an verschieden Schulen, mit 300 teilnehmenden Schülern, in mehreren Schweizer Kantonen durchgeführt. Die ersten Evalutionsergebnisse sind im Sommer 2008 zu erwarten.

Herr Groilmund was ist die Intention ihres Buches “effektiv denken-effektiv lernen”?

Das Buch soll Jugendliche und junge Erwachsene dazu anregen, ihr Lernverhalten und ihre Einstellung zu Schule und zum Lernen zu überdenken. Sie sollen Handlungsmöglichkeiten in schwierigen Situationen wieder verstärkt wahrnehmen und eine realistische, aber dennoch konstruktive Einstellung entwickeln. Im zweiten Teil werden einfache, aber effektive Lernmethoden vorgestellt.

Warum wollen Sie ihr Buch „effektiv denken-effektiv lernen“ unentgeltlich zur Verfügung stellen?

Wir haben immer wieder bemerkt, dass Fr.25.- für einige Jugendliche viel Geld ist – sehr oft gerade für Jugendliche, die etwas Hilfe gebrauchen könnten. Wir freuen uns aber sehr, wenn Jugendliche und Eltern das Buch beim Verlag oder bei uns bestellen und auf diese Weise unser Projekt unterstützen.

Was sind die Ursachen für den zunehmenden Leistungsstress bei Kindern und Jugendlichen?

Es gibt mehrere Ursachen, die zu Leistungsstress führen: genetische Veranlagungen, eine stark auf Leistung ausgerichtete Erziehung, ein kompetitives Klassenklima, ein ungünstiges Erziehungs- oder Lehrerverhalten, Überforderung etc.

Ein Problem das heute aktueller ist, ist die Entwertung gewisser Schulabschlüsse, die Situation auf dem Arbeitsmarkt und der damit verbundene Druck, einen guten Abschluss machen zu müssen. Dieser äussert sich oft in (meiner Ansicht nach falschen!) Aussagen wie: „ohne Studium hast du heute sowieso keine Chance“, „Heute reicht es nicht, gut zu sein, man muss schon sehr gut sein!“ etc. Dabei werden Noten und der Abschluss überbewertet, während andere erfolgsrelevante Eigenschaften und praxisbezogenes Lernen im Beruf abgewertet werden.

Wie sollten Eltern grundsätzlich mit schulischen Mißerfolgen, beispielsweise schlechten Zeugnissnoten, umgehen?

Dies ist keine einfache Situation. Sie wird meist schlimmer, wenn die Eltern mit Druck und Mahnungen reagieren und vom Kind bessere „Ergebnisse“ verlangen. Meist wird das Kind dadurch in der Schule nicht besser, die Beziehung zwischen Eltern und Kind aber massiv schlechter.

Mein Rat wäre: Diskutieren Sie je nach Alter des Kindes mit ihm zusammen die Situation, nehmen Sie die Sichtweise des Kindes ernst und suchen Sie gemeinsam nach Lösungswegen. Achten Sie bei der Umsetzung darauf, dass Sie auf keinen Fall zu lange bei einem Lösungsweg verweilen, der nicht funktioniert und ziehen Sie Fachpersonen heran, wenn Sie alleine nicht weiterkommen.

Was sind die Ziele ihres „Training gegen Lernstress“ an den Schulen in verschiedenen Schweizer Kantonen?

Das Training besteht aus 6 Sitzungen in wöchentlichem Abstand. In kleinen Gruppen von maximal 5 SchülerInnen pro TrainerIn sprechen wir über die Einstellung zum Lernen und das Lernverhalten der Teilnehmer. Aus Gedanken wie „es ist so ein Berg, das schaffe ich nie!“, „wenn ich durch die Prüfung falle, werde ich mir das nie verzeihen“ und „Mathe kann man eh nicht lernen“ werden durch die Diskussion in der Gruppe und die Anleitung der Trainer konstruktivere Gedanken wie „es ist wirklich viel, aber es muss machbar sein, sonst würden nicht jedes Jahr fast alle durchkommen. Ich teile es mir gut ein und fange heute an“, „wenn ich durch die Prüfung falle, bin ich sicher zwei oder drei Wochen enttäuscht, aber ich kann es ja ein zweites mal versuchen“ und „Ich bin zwar nicht gerade ein Naturtalent, was Mathe anbelangt, aber um eine halbe Note kann ich mich verbessern, wenn ich etwas dafür tu!“

Dieser Einstellungswechsel ist wichtig, um ängstlichen Schülern die Angst ein Stück weit zu nehmen und demotivierten wieder aufzuzeigen, dass sie ihre Leistungen beeinflussen können. Die im zweiten Teil vermittelten Lerntechniken werden so bereitwilliger ausprobiert.

Gibt es schon Ergebnisse ihres „Traning gegen Lernstress“ an Schweizer Schulen? Und wie wird das Traning von Eltern und Schülern angenommen?

Wir hatten im Rahmen der Evaluation erfreuliche Ergebnisse. Die Teilnehmer waren nach dem Training zuversichtlicher, weniger besorgt und aufgeregt, gaben an, besser lernen, sich besser motivieren und besser konzentrieren zu können und waren mit dem Training sehr zufrieden. Eine erste Evaluation wurde von Cécile Fidan im Rahmen einer Bachelorarbeit vorgenommen. Im Sommer werden wir die Daten aller Teilnehmer, die dieses Jahr teilgenommen haben, auswerten.

Ist dieses Training auf deutsche Schulen übertragbar?

Ja, das Training ist unabhängig vom Schulsystem anwendbar.

Worin unterscheiden sich, aus ihrer Sicht, das Schweizer- und das deutsche Schulsytem?

Eine schwierige Frage, zumal wir hier in der Schweiz in jedem Kanton ein anderes System haben. Ich vermute, dass das Schweizer Schulsystem insgesamt durchlässiger ist. So hat beispielsweise einer meiner Klassenkameraden nach der Bezirksschule eine Försterlehre mit begleitender Berufsmatura absolviert, danach auf einer Fachhochschule Sport studiert und ist jetzt dabei, an der Universität Pädagogik und Psychologie zu studieren. Solche Bildungswege über verschiedene Stufen hinweg scheinen mir in Deutschland weniger gut möglich zu sein.

Herzlichen Dank für das interessante Interview!

Hier können Sie sich das Buch “effektiv lernen-effektiv-denken” gratis herunterladen:

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Jugendschutzgesetz gegen “Killerspiele” verabschiedet

Freitag, den 9. Mai 2008

Die Debatte über ein Verbot der “Killerspiele” begann u.a. mit der Amoktat von Robert Steinhäuser 2002 an einer Erfurter Schule. Diese Bluttat führte dazu, dass am 1. April 2003 die Regelungen zum Jugendmedienschutzgesetz in Kraft traten. Heute am 09.05.08 tritt eine modifizierte Gesetztesnovelle in Kraft. Die Kriterien wurden so verändert, dass gewalttätige Videospiele auf dem Index landen.

Aus wissenschaftlicher Sicht nähert man sich damit 1927 an. Aus dieser Zeit stammt der Stimulus – Response Ansatz. Er geht davon aus, dass zwischen dem Kommunikator und den Rezipienten eine einseitige monokausale Reiz – Reaktion Beziehung besteht. Demnach spielte Robert Steinhäuser ein “Egoshooterspiel” und, zu Mord und Todschlag bereit, schritt er zur Tat. Selbstverständlich lernte er durch “Counterstrike” auch mit Schusswaffen umzugehen und diese gezielt zum Töten einzusetzen! Seine langjährige Mitgliedschaft im Schützenverein war eine zu vernachlässigende Größe.

Was versteht man eigentlich unter Aktionismus? Wann greifen die Millionen von “Counterstrikespielern” zu den Waffen?

Jedenfalls ist seit heute die “Stammtischhoheit” gesichert. Traurig aber wahr!

Mehr Informationen zum Thema:

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Theodor W. Adorno “Erziehung nach Auschwitz”

Dienstag, den 6. Mai 2008

Primo Levi ein Auschwitz- Überlebender sagte:

»Es ist geschehen, also kann es wieder geschehen. Das ist der Kern dessen, was wir zu sagen haben.”

Vor 63 Jahren wurde das “dritte Reich” von sowjetischen, amerikanischen, englischen und französischen Truppen zerschlagen.

Zwischen 1933 und 1945 wurde jegliche Art von Menschlichkeit in Deutschland negiert, es wurde gefoltert, gemordet, denunziert und marschiert! Auf die grauenvollen Taten und Folgen, getragen vom Großteil der deutschen Bevölkerung, möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen.

Was sollte aber Erziehung in Deutschland nach1945 leisten? Theodor W. Adorno forderte im Text ” Erziehung nach Auschwitz:

“Die Forderung, dass Auschwitz nicht noch einmal sei, ist die allererste an Erziehung. Sie geht so sehr jeglicher anderen voran, daß ich weder glaube, sie begründen zu müssen noch zu sollen.”

weiter schrieb er:

“Sie zu begründen hätte etwas ungeheuerliches angesichts des Ungeheuerlichen, das sich zutrug. Das man aber die Forderung, und was sie an Fragen aufwirft, so wenig sich bewusst macht, zeigt, dass das Ungeheuerliche nicht in die Menschen eingedrungen ist, Symptom dessen, dass die Möglichkeit der Wiederholung, was den Bewusstseins- und Unbewusstseinsstand der Menschen anlangt, fortbesteht.

Eine Erziehung nach Auschwitz sollte nach Adorno schon in der frühen Kindheit beginnen. Der konzeptionellen Umsetzung nahm sich Prof. Dr. Ido Abram an.

Er entwickelte ein 3 Punkt Programm für Kinder zwischen 3 bis 10 Jahren. Im Gegensatz zum 5 Punkte Programm für Jugendliche wird darauf verzichtet Details extremer Grausamkeiten zu schildern. Dadurch wird eine Überforderung und Verstörtheit bei Kindern vermieden.

Das Drei-Punkte Programm umfasst:

- Erziehung nach Auschwitz bedeutet, Empatie ( die Fähigkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen) und Wärme (eine Atmosphäre von Geborgenheit, Sicherheit und Offenheit) zu fördern.

- Erziehung nach Auschwitz bedeutet Autonomie zu fördern, das heißt, die Fähigkeit zum Nachdenken, zur Selbstbestimmung, zum Nonkonformismus.

- Erziehung nach Auschwitz bedeutet, die Empatie mit Tätern, Opfern und Zuschauern zu fördern. Keinem Kind ist eine dieser Rollen wirklich fremd!

Im Mittelpunkt des Programmes stehen Autonomie, Wärme und Empatie.

Dieses letztendlich umzusetzen obliegt Eltern, Lehrer, Pädagogen und muss oberste Prämisse aller Erziehung sein.Wenn dieses nicht kontinuierlich geschieht hat unsere Zivilgesellschaft versagt und ein Rückfall in die “Barbarei”ist jederzeit möglich!

Ein Beispiel was eine “Erziehung nach Auschwitz” auch beinhalten kann ist die Aktion der

Landestelle Brandenburg für Demokratische Jugendbeteiligung. Im Rahmen einer Gedenkstättenfahrt fahren Jugendliche (24.05.08-30.05.08) nach Auschwitz. Durchgeführt und begleitet wir die Fahrt von RAA Brandenburg und der Heinrich-Böll-Stiftung Brandenburg.

Ps: Was von der NPD versucht wird um Kinder und Jugendliche ideologisch zu prägen erfahren sie hier

“Wie bringe ich mein Kind zum Lesen?” Interview mit der Kinderbuchautorin Heike Schütz

Freitag, den 18. April 2008

Die Buchstaben-Trainerin und Kinderbuchautorin Heike Schütz hat die Grundsätze ihres erprobten Leseprogramms “Lustiges Buchstabentraining”, dass auf die Einbeziehung aller Sinne beim Lesen setzt, nun in einem praxisnahen Buch zusammengefasst. Es richtet sich an Eltern, Lehrer, Erzieher u.a., denen die Lesekompetenz unseres Nachwuchses am Herzen liegt. Das Buch ist im Papierfresserchen Verlag erschienen.

Frau Schütz war so freundlich uns einige Fragen rund um ihr eben erschienenes Buch zu beantworten. Im Voraus möchten wir uns dafür herzlich bedanken!

Wer ist die Zielgruppe Ihres neuen Buches „Lustiges Buchstabentraining”?

Das Buch ist eine Praxisanleitung und wendet sich an Eltern, Erzieher und Pädagogen.

Es enthält Bausteine für die Gestaltung von Kindergeburtstagen genauso wie Spiele für zu Hause, Übungen und Anregungen für Schulstunden als auch weiterführende Aufgaben für den Unterricht.

Wie schafft es Ihr „Buchstaben Training” alle Sinne zu motivieren?

Normalerweise findet man Buchstaben „schwarz auf weiß” auf Papier. Im Buchstaben-Training ist das anders. Hier kann man Buchstaben anfassen, schmecken, fühlen, hören und sogar riechen. Dadurch werden Brücken gebaut und über das Limbische System durch Freude Ankerplätze im Gehirn geschaffen, um das Erfahrene besser zu speichern und darauf aufzubauen.

Wodurch unterscheidet sich ihr Leselernmethode von anderen Methoden?

Jedes Kind lernt anders und in seinem ganz eigenen Lerntempo. Das Buchstaben-Training ist keine Leselernmethode im herkömmlichen Sinne sondern soll bei Kindern das „Lesen lernen müssen” in das „Lesen lernen wollen” umwandeln. Durch die Nutzung der verschiedenen Sinneskanäle sollen möglichst viele Assoziationen, also Verbindungen im Gehirn geschaffen werden, die die Aufnahme des Lernstoffes erleichtern und die dauerhafte Speicherung durch Erfolgserlebnisse untertützen.

Wie würden Sie Lesekompetenz definieren?

Im Grunde heißt das für mich: Lesen lieben. Denn was man gerne tut, das macht man gut.

Fachbezogen bedeutet es: Flüssig und sinnerfassend lesen, Inhalte aufnehmen, verstehen und anwenden können.

Kann ihr Leselernprogramm auch bei Legasthenietherapien angewendet werden?

Ja, denn das Buchstaben-Training enthält Übungen und Aufgaben zum Training der Gehirnhälften, der selektiven Wahrnehmung und der Förderung der Motorik.

Welches Ziel verfolgen Sie mit der monatlich erscheinenden „Loseblatt-Sammlung” zum Thema Leseförderung?

Die Lese-Drehscheibe möchte zum einen das Interesse bei Kindern am Lesen und Schreiben wecken, zum anderen auch Eltern den Stellenwert des Lesens aufzeigen. Mit Tipps, Anregungen, wie z.B. „Fünf auf einen Streich” und Vorstellung von Leseinitiativen haben Eltern, Pädagogen und Institutionen mit der Lese-Drehscheibe ein Forum zur Hand, das einfach und schnell bei der Leseförderung- und Ermunterung unterstützt.

Was für Möglichkeiten sehen Sie, wie man Kinder und Jugendliche, die nicht gerne lesen, außerhalb von Schule und Elternhaus für das Lesen gewinnen kann?

Die erste Aufgabe von Eltern heißt: sich selbst vom Kind beim Lesen „erwischen” lassen. Lesen sollte im Haus sichtbar gemacht werden, z. B. auch durch leichten Zugang zu Büchern.

Kinder und Jugendliche haben Interessen. Über diese Vorlieben und Hobbys kann man zum Lesen hinführen. Bei Kindern und Jugendlichen, die nicht gerne lesen, braucht man auf jeden Fall viel Geduld und Ausdauer.

Darüber hinaus gibt es viele Möglichkeiten zur Leseermunterung. Projekte wie „Antolin”, Lesewochen, Veranstaltungen in Büchereinen sind nur ein paar Beispiele davon.

Was muss ihrer Auffassung nach Schule leisten?

Schule sollte in erster Linie eine praktische Lernwerkstatt sein, die neugierig auf Wissen macht, vor allem in den ersten Jahrgangsstufen. Ideal ist, wenn die Kinder aus der Primärmotivation heraus lernen, d.h., sachbezogen. Nicht mit dem Ziel: „ich brauche die Note zwei”, oder „damit der Lehrer zufrieden ist”, sondern „ich will das wissen und können, weil es mich interessiert”.

Welche Kinderbücher haben Ihre Kindheit besonders geprägt?

Sehr spät habe ich angefangen, selbständig zu lesen. Mir fiel das Lesenlernen sehr schwer. Ich war sozusagen eines der Kinder, für die das Buchstaben-Training konzipiert wurde.

Ab der vierten Klasse haben mich am meisten Kinderbücher über andere Kulturen interessiert. Es faszinierte mich, wie Kinder in Grönland, Kanada oder Sibirien leben.

Meine Lieblingsbücher: Grischka und sein Bär, Grischka und Ajoki

von Renè Guillot

Es sind Geschichten eines Tuschkenen-Jungen aus einem kleinen Dorf in der Tundra.

Interessante Informationen zum Thema

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